Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Antiimperialismus im neuen Gewand, anlässlich eines kleineren Skandals beim Freien Senderkombinat. Im Anhang: Anmerkungen über »Sinn und Zweck einer ›Kritik an der Sharon-Regierung‹« sowie Thesen zum linken Antisemitismus von Joachim Bruhn, ISF Freiburg.
Wie ein freies Radio für sein Linkssein die Emanzipation aufgab: "Was möglicherweise noch unter dem Titel »Freies Senderkombinat« firmiert, ist ein Verstärker für das Blubbern des linken Sumpfs. Und wozu braucht der eine Bibliothek?" Erklärung der HSB zu ihrem Austritt aus der Anbieterinnengemeinschaft des Freien Senderkombinats (FSK), veröffentlicht im transmitter 07/03.
Die Gesundheitsreform ist hartes Brot auch für den linken Kritiker. Sie lässt sich nicht entlarven. Das Vorhaben, die Pflichtversicherten zur Ader zu lassen, um die Defizite der Krankenkassen aufzufangen, die Unternehmer zu entlasten und die Ärzte- und Pharmalobby zufrieden zu stellen, wurde schließlich in aller Öffentlichkeit verhandelt, so dass jeder es mitbekommen konnte, ja sollte...Für den linken Politiker muss es dabei wie ein Wunder erscheinen, warum immer wieder die anderen drankommen und nie eine treue Seele wie die Sahra Wagenknecht, die unverdrossen vorzurechnen vermag, es wäre für die Krankenversorgung Geld genug da, würde nur die Wirtschaft entschlossen zur Kasse gebeten. Das wird rechnerisch schon stimmen. Nur bleibt für die Sache der Kritik dabei nichts übrig. Wer stets davon ausgeht, die hiesigen Massen wollten schon das Richtige, sie bräuchten bloß ein wenig Unterstützung dabei, es richtig auszudrücken, unterschätzt deren Bewußtsein just dort, wo er aus dessen Negativität noch etwas lernen könnte: Dass es für den linken Gesellschaftsplaner, der im Namen des Wohls der Vielen sich berufen fühlt, für das Wohl des großen Ganzen zu sorgen, in der politischen Ökonomie des Krisenkapitalismus keinen Platz und keinen Sinn mehr gibt ...
Aus literarischen Gründen geht niemand zu Walser; man erwartet Radikalität ganz anderer Art. Letztes Jahr war es die gegen Marcel Reich-Ranicki gerichtete antisemitische Mordphantasie Tod eines Kritikers, die die Bewunderung des Publikums für den Mut hervorrief, mit dem Walser Meinungen verbreitet, die massenweise Zuspruch finden. Fünf Jahre zuvor hatte Walser anläßlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels vor Kühnheit zitternd verkündet: Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur Pflichtübung.
"Noch unverfrorener als die Verharmlosung der Vergangenheit [ist]
nur der Wille, aus einer nicht verharmlosten Vergangenheit nationales
Selbstbewußtsein zu schöpfen." - Wolfgang Pohrt
Eine Kritik der neuesten deutschen Vergangenheitsbewältigung und
der Funktion der Wehrmachtsausstellung des Hamburger Instituts für
Sozialforschung für den rot-grün-schwarzen Versuch, nationale
Verbrechen zur Grundlage eines deutschen Interventionsauftrags zu machen.
...Die Veranstalter hatten die Auftritte Mathias Richlings in den Kammerspielen bereits wie eine Drohung angekündigt: Der Kabarettist werde - ausgerechnet in jenem Gebäude, das bis 1942 den Jüdischen Kulturbund beherbergte und anschließend als Sammelplatz für die Deportationen diente - den Antisemitismus von einer "radikal neuen Seite" beleuchten. Wie konformistisch abgestanden das radikal Neue, das er von sich zu geben gedachte, tatsächlich ist, verriet Richling der Hamburger Morgenpost schon vorab in einem Interview vom 23. Mai ...
"Was wir gut können, ist das herrschende Gedenkspektakel in Bezug auf dessen Zwecke zu denunzieren, die Funktion der Geschichtspolitik für deutsches Großmachtstreben etwa - so gut sogar, dass Neues kaum noch einfallen will. Nur drohen die zunehmend routinierteren Analysen den eigentlich Skandal zu überdecken: dass schon alles Notwendige gesagt ist, ohne dass sich etwas ändert..."
»Ich muss es mit tiefem Bedauern eingestehen: Was mich gegen
mich einnimmt, ist die Fähigkeit, in der papiernen Schande nicht
zu ersticken, die über die Schöpfung gebreitet ist: so dass
es mir gelingt sie bloßzulegen. «
(Karl Kraus, 'Aphorismen', Schriften Bd. 8, Frankfurt / M. 1986, S. 457f.)
Die Nachbereitung des Elends
Dass es masochistisch sein mag, sich wieder und noch einmal mehr an der
x-ten Neuauflage des Diskursspektakels ´die Linke und der Antisemitismus´
zu beteiligen, ist zugestanden; aber wer will schon gegen Perversionen
argumentieren? Wie in der Ruhe die Kraft, so kann auch im Masochismus
die Lust liegen und damit - frei nach Foucault - der Wille zum Wissen:
Wenn schon Erkenntnis, dann wenigstens erotisch fundiert. Aber der Reihe
nach...
Sehr geehrter Herr Dr. Lüthje,
das Institut für Politische Wissenschaft kündigt für das
beginnende Semester (Sommersemester 2005) zwei Veranstaltungen mit äußerst
fragwürdigen Titeln an: "Der >neue< Antisemitismus: Ein Weltproblem?"
(Vorlesung) sowie "Krieg und Frieden in Palästina" (Hauptseminar).
Mit dem Kommentierten Vorlesungsverzeichnis hat sich die Fragwürdigkeit
allerdings schon wieder erledigt die Ankündigungstexte von Prof.
Dr. Rolf Hanisch lassen hinsichtlich des antisemitischen Charakters beider
Veranstaltungen keine Fragen oen. Die Häufung von aus einschlägigen
Skandalen der jüngeren Vergangenheit überreichlich bekannten
Versatzstücken ist für die Textmenge beachtlich...
Hier die zweite Ausgabe des in unregelmäßiger Folge erscheinenden Kassibers, das sich wieder mit den zwei Zielen der McGuffin-Forschung beschäftigt: Zum einen publiziert die Foundation Ergebnisse über die schottische Kommunistin und Feministin Emma McGuffin, zum anderen beschäftigt sie sich, dem Wirken der Revolutionärin verpflichtet, mit aktuellen Themen, die in den Kontext des Schaffens McGuffins gestellt werden. In diesem Heft sind Ergebnisse dieser Beschäftigung vor allem in Texten über die Identitätsproduktion in der Linken sowie über den Ansatz der »Umsonst«-Bewegungen festgehalten.
Viel Spaß beim Scrollen oder Ausdrucken und Blättern wünscht die McGuffin Foundation / Sektion Hamburg
Letztes Update: Friday, 27-Apr-2007 01:50:03 CEST